5 Fehler beim Sturztraining, weshalb du trotzdem noch Angst hast

In diesem Artikel  gehe ich auf 5 Punkte ein, die du/ihr beim Sturztraining falsch machen könnt und die dazu führen, dass das Sturztraining nicht den gewünschten mentalen Erfolg hat.

Wenn du lieber hörst, statt liest – die Infos gibts auch im Podcast:

Wir starten direkt ohne Umschweife:

Fehler 1) Sich vorm Sturztraining drücken

Eigentlich logisch, oder?
Wer kein Sturztraining macht kann auch keine Erfolge verbuchen.
Aber dazu gehört für mich auch die entsprechende Regelmäßigkeit.
Ein Fehler der häufig gemacht wird ist, dass das Sturztraining bzw. das Stürzen zu selten wiederholt bzw. eingebaut wird.
Wer eher zur Fraktion: ich stürze lieber nicht und wenn dann in kontrolliertem Sturztraining gehört, der sollte sich bewusst machen, dass es eine gewisse Regelmäßigkeit braucht, um sich beim Stürzen halbwegs wohl zu fühlen.

Wir Menschen lernen durch Wiederholung. Je öfter wir eine Sache machen, umso mehr geht sie in Fleisch und Blut über. Routinierte Prozesse sind zu einem großen Teil unterbewusst gesteuert.
Je mehr unser Unterbewusstsein den Prozess übernimmt, umso weniger müssen wir darüber nachdenken und umso mehr Kapazitäten haben wir für andere Dinge.
Auto oder Fahrrad fahren sind zwei wunderbare Beispiele für diesen Prozess. Anfangs kostet alles viel Energie, Aufmerksamkeit und man ist vielleicht ängstlich. Je öfter man fährt, umso mehr agiert der Körper ganz automatisch. Genauso ist das nicht nur beim Klettern & Sichern, sondern eben auch beim Stürzen.
Deshalb: üben, üben, üben! Damit Sturztraining Früchte trägt braucht es Wiederholungen! Und zwar viele.
Wenn der Körper mal 100+ Stürze erlebt hat, aus verschiedenen Positionen, dann werden die Bewegungsabläufe für den Körper natürlicher und man findet „ganz automatisch“ in die richtige Sturzposition. Der Körper weiß quasi, was er zu tun hat. Wurden genug positive Sturzerlebnisse verbucht sind so mehr Kapazitäten fürs eigentliche Ziel: die Bewegungen und die Route da.
Also: statt sich zu drücken, bau regelmäßig eine kurze Struztrainingeinheit in deinen Kletteralltag ein.

Fehler 2) Weiches Sichern wird nicht beherrscht & nicht geübt

Die in meinen Augen wichtigste Fähigkeit für den Erfolg eines Sturztrainings für den Kletternden ist die Sicherungskompetenz des Sichernden.
Dazu gehört unbedingt auch weiches Sichern, denn nur so werden Stürze auch wirklich angenehm und das Verletzungsrisiko wird minimiert.
Was das genau ist und wies geht kannst du hier im Artikel über Weiches Sichern nachlesen.
Was ist jetzt das Problem, wenn der Sicherungspartner diese Fähigkeit nicht beherrscht?
Kurz und Knapp: Man macht beim Sturztraining wahrscheinlich wenige bis keine positiven Sturzerfahrungen, sondern erlebt eventuell schmerzhafte Anprallsituationen oder Verletzungen.
Aber hey, dabei lernt unser Kopf und unser Körper auch… Nur leider das genaue Gegenteil von dem, was wir mit Sturztraining erreichen wollen. Das Ziel von Sturztraining ist doch die Sturzangst zu vermindern über positive Sturzerlebnisse.
Wenn sich ein Sturz und der Anprall in der Wand nicht angenehm anfühlt, sondern immer noch eine Erfahrung ist, die es besser zu vermeiden gilt, dann lernt unser Gehirn ganz einfach: Stürzen= Schmerz. Oder Stürzen: besser nicht.
So wird die Sturzangst eher geschürt als verbessert.
Genau aus dem Grund gehört zu einem Sturztraining auch immer gleichzeitig ein Sicherungstraining. Stürze gut zu sichern will gelernt sein und ein Sturztraining ist immer ein Training für die gesamte Seilschaft, in der beide die jeweilige Fähigkeit (Stürzen und Sichern) trainieren sollten und sich entsprechend vorher informieren sollten was es zu beachten gibt.

Beim Sichern von Stürzen gibt es so einige Dinge zu beachten. Ein weiterer Fehler, den ich oft beobachte ist hier auch zu enges Sichern, wenn der Kletterer nah an der Exe ist.
Häufig resultiert ein sehr enges Sichern entweder aus der eigenen Angst, da man selbst gern eng gesichert wird, oder einfach daraus, dass einem die Konsequenz nicht bewusst ist.
Enges Sichern, wenn der Kletterer mit der Hüfte 20cm über der Exe ist, bedeutet aber im Sturzfall, dass der Kletterer auch nur 20cm Platz hat um in eine vernünftige Sturzposition zu kommen.
Wir stellen uns den Sturz vor wie einen Halbkreis mit der Exe als Zentrum. Oberer Punkt ist der Punkt von dem wir stürzen, unterer Punkt der Anprallpunkt.
Der Radius entspricht dem ausgegebenem Seil.
Bei im Mittel Beinlängen von 80 bis 90 cm ist eigentlich recht logisch, dass 20cm niemals genug Platz sind um die Beine zu „verstauen“, beziehungsweise eben in eine gute Position vor den Körper zu bringen, um sich mit ihnen abfedern zu können.
So kommt es in solchen Fällen schnell zu unangenehmen Anprällen.
Wiederum birgt zu viel Schlappseil die Gefahr von weiten Stürzen, Zusammenprall zwischen Sicherer & Kletterer oder Bodenstürzen.
Ergo: Man sollte sich sehr genau mit dem Sichern auseinandersetzen!

Fehler 3) Sich überfordern (lassen).

Kennt ihr so Menschen, die auf eure Angst im Vorstieg sagen: „Du musst nur mal ordentlich reinfallen, dann geht das schon. Aber nicht nur son bisschen, mal so richtig!“
Toller Tipp…
Bitte lass dir das nicht einreden!

Ich bin mir sicher: der oder diejenige meint das absolut gut und möchte dir nur einen Tipp geben und dir helfen.
ABER: gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht.
In meinen Augen ist das mit DER größte Fehler, den Kletterer in Puncto Sturztraining machen.
Für ihn/sie hat genau dieses Verfahren anscheinend funktioniert und geholfen… und oft wird eben Sturztraining genau damit gleichgesetzt. Aber Sturztraining bedeutet nicht einfach mal so reinkacheln. Denn es geht wie immer beim Training um einen sinnvollen methodischen Aufbau und jeder hat andere Grenzen, die gewürdigt werden wollen.
Zum Lernen wollen wir niemals in den Panikbereich kommen, sondern uns in der Lernzone bewegen.
Mehr zu diesem Modell findest du im Artikel wie Sturztraining effektiv wird.
Für ihn oder sie war diese Sturzdistanz vielleicht noch in der eigenen Lernzone… sicher, kribbelig und fordernd… aber wahrscheinlich noch im machbaren Bereich.
Das gilt aber nicht für jedermann/frau.
Jetzt kann es sein, dass du ängstlicher bist und „son richtig schöner, ordentlicher Whipper“ dich in Panik versetzt.
Was dann passiert ist absolut kontraproduktiv.
Du bist überfordert, dein System ist nur noch auf Überlebenskampf und du sammelst – mal wieder – eine schöne fette Negativerfahrung.
Dein Gehirn verknüpft mit dem Erlebnis nicht, wie vielleicht bei deinem Kumpel: Ahja Stürzen ist garnicht so schlimm… auch ein längerer Sturz nicht.
Sondern OH MEIN GOTT – ALARM!-GEFAHR! Hoffentlich muss ich das niiieeeee wieder machen. Absoluter Panikmodus.
Sich überfordern zu lassen, oder zu viel, zu schnell zu wollen beim Sturztraining sorgt eher für Rückschritte.
Du lernst am besten in deinen Schritten, in kleinen Schritten. Schritte, die dich fordern, aber nicht überfordern und die du immer und immer wieder wiederholst, bis sie sich leichter anfühlen. Achtsamkeit ist gefragt.

Lass dir bitte von niemandem erzählen du musst jetzt mal so richtig schön Angst haben und da einfach durch, dann wird’s schon besser… auch nicht von deinem Freund, der schon mehr Erfahrung hat als du. Denn ja… genau dazu neigen wir Frauen besonders gern…
„Er hat mehr Erfahrung, er weiß schon was gut ist, ich vertraue ihm und als Angsthase dastehen will ich auch nicht…oder so ähnlich“
Nur leider reicht, nach meinen Beobachtungen, oft auch seine Erfahrung nicht aus und die Situation wird eine echt schlechte Sturzerfahrung für dich.

Fehler 4) das Sturztraining als DAS Allerheilmittel ansehen

Sturzangst – dann musst du eben Sturztraining machen.
Ja, in vielen Fällen hilft Sturztraining gegen Sturzangst, aber eben nicht immer und manchmal auch nur bis zu einem gewissen Punkt.
Es gibt sehr viele verschiedene Gründe für Sturzangst beim Klettern.
Und je nachdem was der Grund ist, weshalb jemand beim Klettern Angst hat zu stürzen, muss eben auf den entsprechenden Grund eingegangen werden. Das tut ein „Standard“ Sturztraining nur bedingt.
Einige Aspekte, weshalb Menschen Angst haben vor Stürzen sind mit einem Sturztraining gut abgedeckt.
Andere eben nicht.
Anstatt Sturztraining als das Patentmittel gegen Sturzangst zu sehen, ist wichtig auf die entsprechenden Ängste des Kletterers einzugehen.
Das bedeutet erst einmal für sich herauszufiltern, worin genau die Angst begründet liegt und dann genau für diesen Grund ein Training oder eine Lösung zu finden. Die muss nicht immer Sturztraining sein.

Der letzte Fehler, den ich erwähnen möchte ist:

Fehler 5) Fehlendes Feedback und ungenaue Kommunikation

Wir alle wissen: hier gibt es eh ein riesen Potential für „Fehler“ a.k.a Missverständnisse und und und. Nicht nur beim Klettern.
Genau wie in anderen Bereich gilt: Kommunikation und Feedback sind beim Klettern und besonders beim Stürzen enorm wichtig!

Es gibt so einige Fehler, die es zu vermeiden gilt…
Schlechte Absprache beim Sturztraining kann alles mögliche zur Folge haben… Harte Stürze, zu weite Stürze, zu wenig Seil, im schlimmsten Fall einen Bodensturz.

Absprache

Es ist enorm wichtig, dass ihr euch gut untereinander absprecht, wenn es ums Sturztraining geht. Wie wollt ihr das Training aufbauen?
Wie soll gesichert werden?
Ab welcher Exe fangt ihr mit dem Sturztraining an?
Warnt ihr während des Kletterns nochmal vor oder nicht? Etc etc.
Vorher gewisse Absprachen zu treffen, worum es euch beim Sturztraining geht und was die Wünsche und Ziele sind, ebenso was die Aufgaben von jedem sind ist wichtig, damit jeder weiß was Sache ist, ihr euch gut einspielen könnt und am Ende positive Sturzerlebnisse beim Training rauskommen.
Lieber einmal ein Wort zu viel, als eins zu wenig!
Und ja klar, prinzipiell sollte man immer darauf vorbereitet sein, einen Sturz sauber und gut Sichern zu können. Aber Sturztraining ist ja genau dafür da, das in einem sicheren Rahmen aufbauen und üben zu können. Deshalb – bevor ihr euch zum Test eures Sicherers einfach mal fallen lasst: macht die Zwischenschritte und redet miteinander!

Der zweite wichtige Punkt in Sachen Kommunikation ist das Feedback

Nur durch ein Feedback kann man lernen. Deshalb auch hier: gebt Feedback und holt euch Feedback.
Fragt nach, wie Stürze sich angefühlt haben. Sag dem Sichernden ob der Sturz hart war, schön weich war, sich recht weit angefühlt hat oder was auch immer.

Dies ist besonders wichtig für den Sicherer und dessen Sicherungsfähigkeiten aber auch um sich aufeinander einstellen zu können. Denn wie schon gesagt: Sturztraining ist Training für beide Parteien und für den Sicherer genauso ein Lernprozess.
Nur wenn ihr offen darüber redet, was bei einem Sturz gepasst hat und was nicht, genauso wie was euch am Sicherungsverhalten des anderen passt und was nicht, könnt ihr euch langfristig gut aufeinander einstimmen.
Wichtig dabei ist:
Werdet beim Feedback nicht persönlich und nehmt ein Feedback nicht persönlich. Bleibt konstruktiv und situationsspezifisch.
Wichtig ist bei einem „negativen“ Feedback im Blick zu behalten, dass es nicht um Kritik an der eigenen Person, oder allgemeinen Fähigkeiten geht. Jedes Feedback bietet dir die Chance dich und dein Können zu verbessern. Am Ende geht es darum, dass ihr als Seilschaft gemeinsam wachst, eure Fähigkeiten ausbaut und mehr Sicherheit herrscht. Das geht nicht ohne Feedback und man lernt auch selten, ohne dabei Fehler zu machen.

Nur wer redet, dem kann geholfen werden.

Soweit von mir 😉

Ich hoffe deine Zeit, die du in diesen Artikel investiert hast war es dir wert und du konntest neue Impulse mitnehmen.
Falls du Lust hast es gleich richtig zu lernen und für dich oder dich & deinen Sicherungspartner ein Sicherungs- & Sturztraining suchst freue ich mich, wenn ich Dich/euch unterstützen darf.

Einfach gerne melden 😊

Sicherungs- & Sturztraining

 

 

Rock on!

Deine Aletta

Bildcredit:

Christoph Deinet
Thomas Straub

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